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Auswirkungen des Sturmtiefs "Gloria"

Mein Statusbericht vom 21.02.2020 per email an meine Freunde:

Hallo Ihr Lieben,

ich kann mir vorstellen, dass Ihr Euch Gedanken oder sogar Sorgen macht, deshalb hier per email ein kurzer Bericht.

Ich bin nach wie vor auf meinem Stellplatz in Oasis Mar in der 2. Reihe. Vor mir sind noch 12m Platz, dann kommt die 2m-hohe Mauer (Oberkante eben mit dem Platz) zum Strand runter, vor der Mauer liegen einige dz-schwere Gesteinsbrocken. Der Fahrweg vor mir ist eben voll mit Wasser, Schlamm und Steinen, das hat das Meer über die Mauer hoch geworfen. Links von mir ist ebenfalls ein Fahrweg, voll. Noch weiter links ist die Platzgrenze und hinter der Grenze sind hohe Bäume die den Wind aus Nordost etwas abhalten. Der Sturm wird noch bis Donnerstag anhalten, die Hauptwindrichtung ist aus NO, die Wellen kommen aus SO und damit leicht schräg auf den Strand. In der linken vordersten Ecke des Platzes ist noch ein Wohnwagen eines älteren Paares in 1.Linie, aber direkt am Zaun. Hinter mir ist noch rund 15m frei, allerdings müsste ich quer über die überschwemmte Fahrstraße des Platzes, was ich nur im Notfall machen möchte. Den Platz verlassen geht sowieso nicht, die Zufahrtstraße geht ein Stück weit durch einen Trockenfluß, der jetzt aber reißend Geröll, Schlamm und Baumteile ins Meer transportiert. Ich habe einige Bilder gemacht, das geht sehr schön aus dem Womo heraus, aber z.B. den Moment zu erwischen, in dem das Wasser gerade über die Mauer hoch kommt, ist schwer. Ja, und zu allem obigen kommt noch ein mitunter extrem starker Regen mit Blitz und Donner. Die vergangene Nacht hatte ich wie immer alle Rollläden runter gemacht, diesmal aber den an der Frontscheibe oben gelassen sodass ich immer wieder mit einem schnellen Blick aufs Meer entscheiden konnte, ob ich weiter zurück muss. So werde ich es auch diese Nacht wieder machen, den Abwasserschlauch habe ich schon reingeholt, nur das Stromkabel müsste ich dann noch reinholen. Ich stehe ja auf meinen Hubstützen, die Vorderräder hängen in der Luft, mein Stellplatz ist wie eine kleine, aber sehr flache Insel, auf der ich oben drauf residiere und wie bei ARD und ZDF genieße ich das Naturtheater aus der ersten Reihe (hat Marco geschrieben). In weiser Voraussicht habe ich am Samstag noch genügend eingekauft, damit komme ich bis Donnerstag klar. Strom und Gas habe ich auch noch, nur auf den Handys ist kaum mehr Datenvolumen vorhanden.

Tschüss

Rainer

22.02.2020

Statusbericht vom 23.01.2020

Statusbericht vom 23.01.2020 an meine Freunde:

Hallo XXX,
die vergangene Nacht hatte wenig Schlaf erlaubt. Ich habe in den letzten 3 Nächten mit offenem Visier geschlafen, d.h. ich habe den Rollo hinter der Frontscheibe oben gelassen, dann so alle 3h vorne raus aufs Meer geschaut und wie es auf den 12m bis zur Mauer aussieht, dazu die Scheinwerfen kurz eingeschaltet. Um 3 Uhr wurde ich durch andauerndes lautes Klopfen und Schlagen auf die Karrosserie geweckt, war schräg hinter mir bei einem Nachbarn. Mit einem Handscheinwerfer wurde herumgeleuchtet und geschrien. Ich dachte, es ist der Versuch, die Bewohner eines VW-Busses zu wecken damit sie ihre Unterflurdieselheizung ausmachen bevor sie im Wasser untergeht und die Insassen evtl. umkommen. Das wiederholte sich dann um 7 Uhr wieder. Ich habe wieder rundum geschaut und gesehen, dass mein gestern gekratzter Kanal zum Gully übergelaufen ist, dass rund um mein Auto alles nur noch 1 See ist und das Wasser um meine Hinterachse spielt. Von oben kam Regen im Übermaß und konnte nicht ablaufen weil das Meer die Ablaufrohre vom Meer her mit Sand aufgefüllt hatte. Also jetzt erst mal raus aus dem Bett, anziehen ohne Waschen oder Frühstück und schauen, was ich noch tun kann. Zur Tür raus konnte ich noch, meine Cloggs haben gereicht, aber nur genau dort, meine Insel war nun auf 1m² vor der Tür geschrumpft, alles andere war ein riesiger See. Gummistiefel habe ich nicht dabei, Bergstiefel wären auch nicht hoch genug gewesen und barfuß darf man hier nicht gehen wenn man nicht sieht, worauf man tritt. Viele krumme oder im Boden festgerostete Häringe oder Nägel sind von Vorgängern übrig geblieben. Ich hätte mit Sandalen unter Wasser gehen müssen. Dann habe ich gesehen, dass die zwei Platzarbeiter mit dem Geländewagen versuchen, auf dem Fahrweg bis zu mir vor zu kommen, dazu müssen sie über den Gully, einer ging voraus zum Loten, der andere fuhr, es ging. Danach wurde untersucht, welches Rohr man am schnellsten freibekommen kann, man muss aber dazu runter und in der Brandung schippen!! Beim mittleren Rohr gelang das und dann lief das Wasser aus meiner Ecke halt 150m bis zum anderen Gully über die Plätze ab. Nach 1h war meine Insel wieder aufgetaucht und ich konnte frühstücken. Zwei Stunden später war der Regen zuende und seit dem Vormittag scheint öfter die Sonne, selten Regen. Das Meer tobt noch immer, kommt aber kaum mehr über die Mauer. Bei den Plätzen vor mir ist der Sand und Lehm weggespült, Rinnen, und alles mit heraufgeworfenen Steinen und groben Kieseln bedeckt. Der mit Sukkulenten bewachsene Wall hinter der Mauer ist fast komplett weggerissen. Aber schon am Nachmittag haben die Arbeiter die vorderen Plätze mit dem Rechen einigermaßen kultiviert. Der Lehm ist jetzt heute abend etwas angetrocknet und fußläufig überquerbar. Ich konnte meinen Müll entsorgen, Frischwasser aus meinem Aussenfach holen und die Toilettencassette entleeren. Mit dem Staubsauger habe ich die Lehmschmiere auf dem Teppich im Innenbereich wieder einigermaßen wegbekommen, dabei hatte ich gestern erst alles gesaugt, aber ich konnte vergangene Nacht meine Cloggs ja nicht vor der Tür stehen lassen und musste mit den Lehmschuhen erst mal hinein.
Wie sieht es jetzt hier aus? Jeglicher Strand und Strandweg ist weg, in der Feriensiedlung etwas südlich haben die Wellen bei einigen Anwesen die Mauer auf der Meerseite einfach umgeworfen, Sand, Dreck, Unrat und Schmutzwasser auf die Vorgärten und in die Pools gebracht. Die Zufahrt zum Campingplatz war auch nachdem der Wadi wieder trocken war nicht passierbar, der Fluss hatte ein riesiges tiefes und so breites Loch hinterlassen, dass kein Fahrzeug durchkam. 2 Lkws mit neuen Bungalows standen bis am späten Nachmittag auf einem Parkplatz vor dem Campingplatz und warteten darauf, dass das Loch im Flussbett gefüllt wird. In Cambrils gibt es auf der Seite zum Meer einen schönen Radweg, dann einen breiten Fußweg, dazwischen Palmen und Sitzbänke, davor rund 50-100m breiten Sandstrand... nicht mehr!!! Alles weg. Die Brücken über die Wadis dort sind auch weggerissen, nur die Fahrstraße ist eingeschränkt noch passierbar. Wie es wohl in dem unterirdischen Parkhaus dort aussehen mag? In Hospitalet steht ein Auto unter der N340 in einem Wadi bis zur Dachkante unter Wasser. Mehr habe ich bisher nicht gesehen. Bei mir ist jetzt alles soweit wieder in Ordnung. Morgen muss ich das Auto von aussen mal abwaschen, hoffentlich komme ich bis zur Dachkante hoch. Der Gischtnebel hat es ganz schön dekoriert.
Ich schicke diese mail auch an andere meiner Familienmitglieder, habe lange daran gesessen, will aber Mitteilung machen und dann zu Abend essen. Vielleicht kann ich morgen schon mit dem Fahrrad einkaufen fahren?
Tschüss, macht's gut
Rainer

Bilder oder Filme habe ich davon keine machen können, mir waren die Rettungsversuche wichtiger und für anderes war keine Zeit. Mit dem Einkauf am nächsten Tag wurde es auch nichts, der Schlamm war viel zu tief und zu klebrig. Erst am Samstag konnte ich mit dem Rad wieder fahren, wollte es aber mit dem Lehm in den grobstolligen Reifen nicht in die Garage stellen, es musste bis Sonntagnachmittag draußen bleiben damit der Dreck abtrocknet und bei einer kurzen Fahrt durch Split die Reifen wieder sichtbar wurden.


Gloria ist abgezogen, Aufräumarbeiten

Auf dem Platz werden die Stellplätze und die Fahrwege wieder hergestellt. Aus Langeweile helfe ich mit bei der Reparatur. Nach Tagen konnte ich wieder einkaufen fahren, aber der Schlamm war immer noch so zäh und klebrig dass mein Rad aussen am Baum stehen musste bis der Dreck an den Reifen trocken genug ist um bei der nächsten Fahrt abzufallen. An diesem Baum hing auch die Pinienspinnerraupe, sie hatte sich wohl bei der Überschwemmung dorthin gerettet. Bei uns gibt es die Eichenspinnerraupen, hier gibt es ähnliche auf den Pinien, genauso gefährlich.

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